Hier die aktuelle Linkedin-Serie von Klaus Eidenschink
Coach sein - statt coachen (wie eine KI)
Hier finden sich alle bisherig erschienenen Teile der aktuell auf Linkedin laufenden Posting-Serie von Klaus Eidenschink Ein kleiner Service für alle, die gelegentlich mal einen Sonntagspost - immer um 7.30 Uhr - verpassen.
Teil 1: Was man in Zukunft können muss
Coach sein (Teil 1): Was muss man in Zukunft können?
Ich staune, wie viele Interessent:innen an unseren Fortbildungsgängen - fast 100 Seminare im Jahr! - in Sorge sind, dass personenorientierte, psychodynamische, emotionskompetente und systemtheoretisch fundierte Beratung obsolet werden könnte. Ich halte das Gegenteil für wahrscheinlich.
Gleichzeitig verstehe ich manche Sorgen. Es wird z.B. alles überflüssig werden, was KI besser, billiger und ausdauernder kann. Imgrunde ziemlich viel von dem, was am Beratungs- und Therapiemarkt angeboten wird. Gute Reflexionsfragen stellen? Kann KI. Skalierungsfragen einbringen? Kann KI. Lücken in der Selbstauskunft identifizieren? Kann KI. Zielerreichungsvorschläge und Handlungskonzepte vorlegen? Kann KI. Ungünstige Muster von Reaktionswahrscheinlichkeiten benennen? Kann KI. Vorschläge zum Aufbau neuer Fertigkeiten oder Umsetzen getroffener Vorsätze machen? Kann KI. Persönlichkeitsmuster identifizieren? Kann KI.
Alles, was berechenbar und über Stochastik bewertbar ist, dafür braucht es kein menschliches Gegenüber mehr.
Hingegen: Alles wofür es Kreativität, Resonanz, Präsenz, Einzelfallbearbeitung, Weisheit, Berührung, Rührung, Herz, Nerven, Anteilnahme, Unabhängigkeit, Begegnung, Konfrontation, Wahrnehmung, Körperlichkeit, Einzigartigkeit, Verletzlichkeit, Tränen, Lachen, Erschrecken, Mitschwingen, Umarmungen, Unerbitterlichkeit, Entscheidung und Liebe braucht, dafür braucht es entsprechend ausgebildete Coaches, Therapeuten und Berater. Das ist das eine.
Das andere ist: Es braucht Coaches, die Menschen unterstützen können, die mit den destruktiven Aspekten der KI nicht zurecht kommen. Die psychischen Schäden, die KI hervorrufen bzw. verstärken wird - so wie der Buchdruck Ängste, das Fließband Depressionen und SozialMedia narzisstische Nöte gefördert haben -, wird viele Menschen an die Grenzen ihrer Verarbeitungsmöglichkeiten bringen. Etwa Pseudonähe für Nähe halten oder Anspruch auf Allverfügbarkeit von anderen (wie ein Säugling). Der Bedarf an kompetenter Beratung hierfür wird steigen, weil KI kann die destruktiven seelischen Effekte, die sie begünstigt, nicht selbst „heilen“. Um solche Beeinträchtigungen zu erkennen, ist menschliche Kompetenz unabdingbar.
Im Laufe der nächsten Wochen und Monate werde ich - frei nach dem Motto: „Machst Du eine Intervention oder bist Du eine?“ - über die Mittel und Wege schreiben, was es heißt Coach zu sein und zu werden statt Coaching(tools) anzuwenden. Niemand braucht in Zukunft menschliche Interventionsspendeautomaten. Das kann KI besser.
Was es aber heißt, sich
- eine Form der Präsenz, die wirkt,
- eine Form der Begegnung, die hält,
- eine Form der Unbestechlichkeit, die trägt,
- eine Form der Zugewandtheit, die im Herzen wohnt,
zu erarbeiten, ist eine ganz andere „Hausnummer“.
Das braucht Mut. Denn der Weg dorthin ist nicht leicht.
Das braucht Durchhaltevermögen. Denn der Weg dorthin, hält für jeden Abschnitte bereit, die zur Umkehr und zum Abbruch drängen.
Teil 2: Kreativ sein (14.6.26)
Damit Coaching sich ereignen kann, müssen mehrere Faktoren zusammenkommen. Ich beginne heute mit Kreativität. Diese ist allerdings nicht zu begreifen, ohne etwas von Bezogenheit, Präsenz, Absichtslosigkeit, Resonanz und Vitalität zu verstehen. Das sind die Themen der nächsten Wochen. Erst am Ende kann man den heutigen Anfang ganz erfassen.
Kreativität hat zwei Voraussetzungen.
Erstens braucht sie einen Rahmen, in dem etwas entstehen kann. Man zieht eine Leinwand auf und holt Farbe und Pinsel dazu. Man spannt ein leeres Blatt in die Schreibmaschine, man holt Menschen in einem Open Space zusammen, etc.
Im Coaching braucht es als Rahmen einen Raum, der es ermöglicht, sich wechselseitig wahrzunehmen. Üblicherweise ist das ein Zimmer mit Stühlen. Mehr ist an Vorbereitung für Kreativität nicht nötig. Wer vor dem Gespräch schon weiß, was er vorhat, coacht in meinem Verständnis nicht mehr, sondern „bespricht“, „behandelt“ oder „belehrt“ jemanden. (Außer man knüpft an die letzte Stunde an.) Auf das konkrete Coaching kann und darf man sich nicht fixiert vorbereiten. Sonst folgt man einem Plan und ist mit der Umsetzung des Vorhabens beschäftigt - aber man ist weder mit sich, noch mit dem Coachee noch mit Bezogenheit zu Gange.
Ich verstehe damit Coaching als Kunst und nicht als Anwendung einer Theorie. Der Zusammenhang von Theorie und Praxis ist hier kein Umsetzungsverhältnis. Man wendet nicht an, was man weiß, sondern das Wissen ermöglicht Ereignisse, die sich nur finden lassen, wenn man Augen, Ohren und alle andere Sinne dafür hat. Sonst wird Coaching zum Malen nach Zahlen. Die Frage „Was muss ich nun als nächstes tun?“ ist der sicherste Hinweis, dass man nicht coacht, sondern mit den eigenen Leistungsansprüchen beschäftigt ist.
Damit sind wir bei der 2. Voraussetzung für einen kreativen Prozess, in dem Neues entstehen kann. Sollen die Muster der Selbstregulation des Klienten sich verändern, dann braucht es einen gemeinsamen Prozess der Bezogenheit von Coach und Coachee. Die Intervention taucht aus dem seelisch-kommunikativen-wahrnehmenden Tanz beider (!) Personen auf. Die Wahrnehmung des Neuen entsteht, man kann sie nicht machen.
Stattdessen muss man vertrauen, dass einem etwas einfällt und der Coachee es aufgreift. Wenn einem bei dieser Art zu coachen nichts einfallen, dann wäre das in sich ein Hinweis auf das Thema des Klienten. Denn es gibt Menschen, in deren Anwesenheit jede Kreativität erstirbt.
Damit ist eigentlich schon erklärt, dass KI nichts NEUES in den Kontakt einbringen kann, denn sie errechnet aus Altem etwas, an das das Gegenüber anknüpfen WILL. Was man will (und was man versteht), ist aber immer das Bekannte und Bewusste. KI limitiert mangels Wahrnehmung und Bezogenheit also die Zukunft auf die Vergangenheit. Emergente Kreativität braucht den Möglichkeitssinn. Keine Informationsfülle.
Ein Grundpfeiler einer profunden Coachingausbildung ist demnach das Begreifen von Coaching als kreativen Prozess.
Teil 3: Absichtslos sein (21.6.26)
Es mutet fast verrückt an, dass es essenziell sein soll, als Coach absichtslos zu sein. Ist doch das Dienstleistungsversprechen meist bessere Zielerreichung oder Rollenperformance.
Das liegt daran, dass Absichtslosigkeit oft missverstanden wird. Es hat nichts damit zu tun, nichts zu wollen oder anzustreben, sondern damit, mit dem, was man will oder wo man hin will, nicht identifiziert zu sein. Das, was man tut - also etwa eine Intervention im Coaching - hat natürlich eine Absicht. Sonst wäre es beliebig.
Fehlende Absichtslosigkeit merkt man daran, wie man reagiert, wenn sich Erwünschtes ereignet. Gefällt es mir? Glaube ich voran zu kommen? Bin ich stolz auf mich? Oder im Fall des Unerwünschtem: Ärgere ich mich? Versuche ich mit anderen Mitteln zum selben Ziel zu gelangen? Bin ich enttäuscht? Habe ich das Gefühl etwas falsch gemacht zu haben? Will ich es besser machen? Habe ich Angst, dass der Klient mich schlecht findet?
Beantwortet man auch nur eine dieser Fragen mit Ja, dann coacht man nicht mehr, sondern ist mit sich und seinen Vorstellungen und Absichten beschäftigt - aber ganz sicher nicht mehr (in diesem Zeitraum) mit dem Coachee. Man ist mit "like" oder "dislike" beschäftigt und damit nicht mehr absichtslos und in Resonanz.
Eine solche Absichtslosigkeit zu erlernen, ist kein Schnellschuss. Das setzt zweierlei voraus:
> Eine intensive Auseinandersetzung mit eigenen Idealen und Selbststabilisierung durch Wirksam-sein-wollen. Das ist Arbeit an Kernprozessen der eigenen Person. Viele wissen noch nicht einmal, dass sie solche tiefliegenden inneren Muster haben. Etwas „gut“ machen wollen, ist zum Beispiel ein solches Muster. Lernen ist nämlich das Gegenteil von Können müssen.
> Man muss merken, wenn Klienten das sagen, tun oder fühlen, wovon sie annehmen, dass es dem Coach(!) gefällt. Unbewusste Anpassungsprozesse des Klienten identifizieren zu können, setzt voraus, dass man in der Ausbildung von den Lehrenden damit konfrontiert wurde.
Wie soll eine KI Absichtslosigkeit anbieten, wenn sie darauf programmiert ist, eine Antwort zu liefern, mit der der Fragende zufrieden ist und gleichzeitig motiviert wird, eine Folgefrage zu stellen? Wenn Kundenzufriedenheit und -bindung die grundlegende Programmierung darstellen - und das muss so sein, sonst bricht das Geschäftsmodell zusammen -, dann ist Absichtslosigkeit ausgeschlossen. Damit passt sich die KI zwangsläufig an die manifeste wie latente Erwartungsstruktur des Fragenden an und bewegt sich so im bestehenden Bezugsrahmen des Klienten.
Nur wer absichtslos da ist, kann in Ruhe auswerten, was die Reaktion des Coachees bedeutet und sie in ihrem Wert entschlüsseln. Die impliziten(!) Seinsweisen des Klienten aufnehmen und auswerten, wie sich diese auswirken, kann nur ein Gegenüber, das keinen Erwartungsdruck aufbaut und gleichzeitig(!) selbst keine Erwartungen hat. Eine Maschine kann das nicht, weil sie Vorgaben braucht, um ihre Rechenvorgänge zu ordnen.
Teil 4: In Resonanz sein (28.6.26)
Seit Hartmut Rosa ist Resonanz ein Modebegriff. Klingt ja auch gut. So in Verbindung mit der Welt und allem und dem großen Ganzen und überhaupt. Wenn wichtige Begriffe Karriere machen, dann drohen sie immer moralisch erwünscht zu werden und gleichzeitig zu verwässern. Das hilft und schadet ihnen.
In Resonanz zu kommen ist die Konsequenz von Geistesschulung. Ich kenne Leute, die waren überall auf der Welt, aber nirgendwo in wirksamer Resonanz. Sie haben von allem Fotos gemacht, aber nichts gesehen. Sie sitzen im Konzert, sind jedoch nicht ergriffen. Sie reden von Ehrfurcht gegenüber der Natur, und konsumieren Erlebnisse.
Resonanz ist Schlüsselkompetenz im Coaching, weil man die wesentlichen Informationen nicht verbal bekommt, sondern durch die Veränderung des Innenlebens während der Begegnung mit dem Coachee. Feinheit der Selbst- und Fremdwahrnehmung lernt man nicht aus Büchern. Man lernt sie in Ko-Regulation mit einem Gegenüber. Wer seine Ausbilder nur am Flipchart oder als Übungsanweiser erlebt, kann keine Resonanz lernen. Man braucht sie als Gegenüber.
Resonanz ist nicht gleichzusetzen mit Freundlichkeit oder Wertschätzung. Sie zeigt sich als besondere Form der Aufrichtigkeit und der unbeirrbaren Bereitschaft, die eigene Reaktion aufs Gegenüber in all ihren Verästelung ernst zu nehmen und zur Verfügung zu stellen. Wer sich auf diese Weise ernst nimmt, dem kann man leicht auch Eingenommenheit oder gar Arroganz unterstellen. Reich-Ranicki als Literaturkritiker war in Resonanz mit Texten. Er konnte scharf sein. Man musste seine „Meinung“ nicht teilen. Aber man kam nicht an ihr vorbei.
So ist das beim Coachen auch. Wenn der Klient am Coach „vorbei“ kommt, weicht er aus, wenn es eigentlich drauf ankommt, dies nicht zu tun. Wenn der Coach seine Resonanz allerdings für Wahrheit hält, zwingt er den Coachee in die Anpassung oder Rebellion. Sprich: Resonanz ist ein Angebot aus dem eigenen Raum und es ist offen, ob eine Koppelung stattfindet. Wenn dies geschieht, beginnt der Veränderungstanz.
Das muss man von der Pike auf lernen. Ohne eine solche Kompetenz, bleiben die Intervention zu stark oder zu schwach oder zu nebensächlich. Keine KI wird das je können.
Resonanz ist kein kognitiver Prozess. Auch kein nur emotionaler. Er beruht auf einem empfänglichen „Nervensystem“. Resonanz braucht einen freien Atem und innere Gelassenheit. Absichtslosigkeit habe ich es letzte Woche genannt. Das Auswerten und Mitteilen der Resonanz wiederum ist ein kreativer Akt.
Ohne Resonanz bleibt im Coaching das, was die KI tut: Inhaltliche, bewusste Informationen auswerten. Diese verarmte Intelligenz bleibt übrig, wenn Kognition ohne Körper funktionieren muss.
> Wer keine Sinne hat, die denken, dessen Antworten antworten auf die Aussagen von Menschen.
> Wer in Resonanz ist, dessen Antworten antworten auf den vollständigen Menschen.
Resonanz reagiert auf das, was jemand ist, nicht auf das, was jemand sagt, tut oder will.
Teil 5: Vital sein (5.7.26)
Wer mit Computern chattet, der lacht und weint meist hemmungslos - oder etwa nicht? Ironie beiseite und blanker Ernst: So leblos, gestelzt, gekünstelt, zurechtgemacht und steif manche Menschen sich als Berater, Therapeuten und Coaches benehmen, ist der Computer der reine Spaßvogel.
Der Zugang zur eigenen Vitalität, zur Unbefangenheit freier innerer Impulse, zur Intensität von Herzenswärme, zur Klarheit von Kraft und Wille, zur Präsenz als Mann oder Frau oder Divers, verschafft dem Coach die Wirkung, die der Klient braucht, um seinerseits die Rolle, die er/sie innehat, mit Lebendigkeit zu füllen. Wie soll jemand der befangen ist, jemanden anders gut coachen, der befangen ist?
Das klingt nun so schön. In unseren Ausbildungen machen wir allerdings immer wieder die Erfahrung, dass es gerade die eigene Lebendigkeit und Intensität in Summe ist, die vielen Teilnehmer:innen Angst macht. Kontrolle ist scheinbar alles. Über die Stränge schlagen, anderen zuviel zu sein, vorlaut, gierig oder dränglerisch zu sein - damit haben viele schlechte Erfahrungen gemacht. Entsprechende innere Hemmungen und Verbote bevölkern die Seelen.
Diese Themen zu klären ist höchst relevant - sowohl für den Erfolg in der Arbeit als Coach als auch für den Erfolg, Coaching gut verkaufen zu können. Ohne persönlich in „Erscheinung“ zu treten, bleiben die Aktivitäten im Coaching zu blaß. Man bleibt nicht in Erinnerung, hinterlässt keinen „Ein-druck“. Wie auch, wenn der Treibstoff gedrosselt ist?
Die Arbeit an Vitalität muss daher Teil dessen sein, was man in einer Coachingausbildung erwarten darf. Da der Level an Lebendigkeit so gut wie immer Teil dessen ist, an das man sich gewöhnt hat, braucht es Impulse von Außen, um dieses Gewohnte in Frage zu stellen. Deshalb treten wir gelegentlich unseren Teilnehmer:innen auf die Füsse. Auch wenn das mal schmerzt und man die Fassung verliert.
Fassung bewahren ist ein Vitalitätsdämpfer aller erster Güte. Der Kernprozess im Hintergrund ist meist Scham. Die Psychodynamik der Scham zu erleben und bearbeiten zu können, ist für Coaches absolut entscheidend. Gerade weil unsere Kultur von Schuld auf Scham umgestellt hat.
Die KI ist darauf getrimmt, Beschämungen zu vermeiden. Daher das Dauerlob. Keine KI kann Scham auslösen und dann bearbeiten nach dem Grundsatz „Disrupt and repair!“ Solange die Beziehung glatt läuft, kommen die wesentlichen Themen gar nicht auf den Tisch. Permanentes Wohlwollen und Wertschätzen umschifft also die Klippen seelischer Untiefen. Dann fühlen sich alle wohl, aber niemand lernt damit umzugehen, wenn es heiß wird und alle die Luft anhalten. Dann zeigt sich, ob man in einer Ausbildung etwas lernt, was man dann im Alltag auch wirklich braucht.
Coaching braucht Lebendigkeit und damit die Hitze des Küchendampfes. Nett sein und mit Augenmaß formulieren, kann KI deutlich besser und ausdauernder. Wer Coach sein will, muss auch im Gefecht bestehen können.
Teil 6: Präsent sein (12.7.26)
Präsent sein klingt gut. Aber was ist das genau? Konzentriert? Unabgelenkt? Fokussiert? Achtsam? Aufmerksam? All das zusammen? Warum ist das für Coach-sein wichtig? Reicht nicht ein normales Gespräch?
Präsent ist, wer umfassend auf jemand oder etwas bezogen ist. Oder um es mit den Worten des japanischen Dichters Busho zu sagen:
Lerne von der Pinie
über die Pinie
Und vom Bambus
über den Bambus
Um in Präsenz zu kommen, braucht es Unvergleichbarkeit. Das Gegenüber wird in meinem Erleben einzigartig. „Nachbarlos“ nennt Martin Buber das. Ich vergleiche den Coachee nicht mit ähnlichen Menschen, nicht mit einer Diagnose, auch nicht mit der Erinnerung, wie die Person in der vorigen Coachingstunde war. In Präsenz erlebe ich diesen einen Moment. Das was geschieht, geschieht zum ersten und letzten Mal. Das ist die Bedingung dafür, dass meine Reaktion auf das Gegenüber ebenfalls einzig ist. Erst dann bin ich eine Intervention und mache keine.
Warum ist das so wichtig für die Klienten? Fast 100% meiner Klienten aus 40 Jahren waren seelisch dadurch beeinträchtigt, dass sie Beziehungerfahrungen verarbeiten mussten, in denen sie in ihrem „Ist“ einem „Soll“ ausgesetzt waren. Die einen entwickeln Ängste, „etwas“ nicht zu erreichen, die anderen schämen sich, weil sie nicht hinreichend performen, die dritten plagen Schuldgefühle, weil sie unterschiedlichen Erwartungen nicht gleichzeitig gerecht werden können, den vierten gelingt es alles zu bedienen und gehen dabei selbst vor die Hunde. Diese Muster drohen sich in einem Beratungsrahmen wie Coaching, der für viele ja gerade eine Unterstützung sein soll, definierte Ziele (besser) zu erreichen, unbemerkt und unsäglich zu wiederholen.
Um den wirklichen Kraftquellen und Talenten eines Menschen einen Raum aufzuspannen, in dem sie ans Licht kommen können, braucht es nichts mehr als ein Gegenüber, das präsent ist. Denn ein Mensch entfaltet sich nicht nach Plan, sondern er leuchtet auf, wenn der Moment gekommen ist. Kairos nannten ihn die alten Griechen. Er taucht unverhofft auf und wird von dem erkannt, der wach und präsent ist. Pläne verengen die Wahrnehmung auf die gewählten Ziele.
Das „Eigene“ ist jedoch kein Ziel, weil es immer schon da ist. Es tritt ans Licht, wenn jemand - z.B. ein Coach - wirklich da ist. Jemand, der das Gegenüber in Einzigartigkeit erkennt. Jemand, der es nicht für sich braucht, dass der andere ihn gut findet und „vorwärts“ kommt.
KI ist nie als "Du" sondern körper-, sinnen- und geschlechtslos als Teilhabende am Kommunikationssystem im Spiel. Wir Menschen können das fehlende lebende Du über Imagination kompensieren, aber nicht ersetzen. Kinder sprechen ja auch mit Stofftieren. Wessen Problem es ist, ungünstige Dus gehabt zu haben, der wird mit KI als Gegenüber ausschließlich seine Not kultivieren.
Echte Präsenz muss man üben, üben und üben. Ach ja - man muss sie üben. Wirklich: man muss sie üben! Und man muss gezeigt bekommen, wie man übt.
Teil 7: Unbequem sein (19.7.26)
Heute wird es unbequem, denn es ist nie bequem unbequem werden zu müssen. Müssen? Ja! Warum?
Ganz einfach: So gut wie alle Probleme sind Folgen eines inneren Musters. Dieser Bezugsrahmens ist zum hohen Teil nicht bewusst, sondern in emotionalen und leiblichen Reaktions- und Handlungsschemata ausgeformt und verkörpert. Daher suchen Klienten die Verbesserung so gut wie ausnahmslos INNERHALB dieses Denk-, Fühl- und Überzeugungsrahmens. Soweit ist das ja weit verbreitetes Wissen.
Es ist unangenehm, wenn eine andere Person den eigenen Bezugsrahmen in Frage stellt - auch wenn man vorher seine Einwilligung gegeben hat. Es regt sich Empörung, Scham, Angst. Empörung, weil Werte verletzt sind, Scham, weil man nicht das ist, was man sein wollte und will, Angst, weil Sicherheiten und Orientierung verloren gehen.
Nun kommt der Coach ins Spiel. Für diese und diesen wird es nun ebenfalls unbequem. Denn er muss ein Beziehungsrisiko eingehen. Konfrontieren mit etwas, das dem Unbewussten (!) zuwiderläuft, beinhaltet immer die Möglichkeit, dass der Coachee einem das übelnimmt, sich unverstanden fühlt, das Gesagte unmöglich findet oder andere (verständliche aber nicht hilfreiche) Reaktionen an den Tag legt.
Ob das nun hilfreich ist oder nicht, hängt immer an der Passung der Konfrontation. Es kann über- wie unterdosiert sein. Das kann niemand vorher (!) wissen. Daher bleibt nur ein Ausprobieren und das damit einhergehende Risiko. Nun gibt es drei Möglichkeiten. Entweder es passt. Dann ist alles prima. Oder es war „zu wenig“, dann muss man „nachlegen“. Oder es war „zu viel“, dann entsteht eine Beziehungsstörung.
Letztere ist das Wichtigste. Denn kein Therapeut oder Coach kann ideal sein. Es gilt der Grundsatz „disrupt and repair!“. Man muss die Störung erkennen und ein Kontaktangebot machen, das die Störung beseitig und (!) das Unbequeme aufrecht erhält. Als Coach muss man den Riß auszuhalten und in der Lage sein, diesen im Kontakt wieder zu kitten, ohne deshalb inhaltlich zurückzurudern. Das ist Millimeterarbeit und basiert auf wechselseitig feinster Wahrnehmung nonverbaler und atmosphärischer Signale.
Es leuchtet unmittelbar ein, dass keine KI diese Signale aufnehmen kann und ja auch nicht intervenieren kann, wenn der Klient den Chat beendet. Sie wird abgeschaltet. Ohne solche Dirupt-Situationen können aber die wichtigsten Themen in einem Coaching nie bearbeitet werden, da diese sich eben häufig an Bezogenheitsschwierigkeiten entfalten oder auch an der Schwelle zum Kontaktabbruch entwickeln.
Diese Art unbequem zu sein, ist einer der Grundpfeiler von Coach-Sein. Dazu muss man es auch selbst als Klient erlebt haben, was es bedeutet kann, wenn einem jemand liebevoll zu nahe oder eben auf die Füße tritt. Unbequeme Interaktion ist unerlässlich, um so lebendig zu werden, wie es die meisten beruflichen Rollen heutzutage erfordern und was man braucht, um selbst in diesen Rollen zufrieden zu bleiben.
Teil 8: Verletzlich sein (26.7.26)
Ab dem 26.!
Teil 9: Selbst-bewusst sein (2.8.26)
Selbstbewusst ist, wer sich seiner selbst bewusst ist. Immer wieder neu, jeden Tag ein wenig anders, in jedem Kontakt ein wenig anders, in jeder Rolle etwas anders, an jedem Ort ein wenig anders. Wir Menschen sind Kontextwesen. Weil wir das sind, ist die wesentliche Fähigkeit im Leben, kontextgerechte Selbstaktualisierungen vornehmen zu können.
Diese Kompetenz braucht es ganz besonders in organisationalen Rollen. Als jemand, die/der geführt wird, muss ich anders sein, wie als jemand, die/der führt. Ich brauche ein anderes Selbst-Bewusstsein! Wenn man so will, eine andere Identität, sonst wird man zu starr, verwechselt sich mit Rollenidentitäten und spielt auch noch zu Hause den Chef oder die Chefin oder ordnet sich dort unangemessen unter.
Bewusstwerden wer man von Moment zu Moment sein möchte, kann, darf, muss, soll - das ist die Aufgabe, die wechselnde Kontexte an uns stellen. Dazu braucht es differenzierte Selbst-Wahrnehmung, facettenreichen Selbst-Ausdruck und vielfältige Formen der Selbst-Verantwortung.
Das gilt nun in besonderem Maße für den Coach selbst. Stellt man sich nämlich im Coaching nicht auf jeden Klienten eigens und spezifisch ein, berät man alle gleich. Man arbeitet sonst mit Methoden, nicht mit der Person, die einem gegenüber sitzt. Arbeitet man mit dem einzigartigen Menschen in diesem unverwechselbaren Moment, muss man seine Orientierung aus dem Selbst-Bewusstsein im Hier-und-Jetzt holen.
Eine KI lernt, was dem Klienten gut tut bzw. besser, was er aufgreift und worauf sich sein Interesse richtet. Sie entscheidet ihre Antwort also nicht aus eigenem Bewusstsein, sondern aus den Wahrscheinlichkeiten, die sich aus den Antworten des Klienten ergeben. Damit kann sie nie etwas Eigenes, sondern bestenfalls etwas Anderes in den Dialog einbringen. So bleibt aber der Bezugsrahmen des Klienten erhalten. Der Dialog wird zum Spiegelkabinett, in dem der Klient immer nur sich selbst in Verzerrungen und anderen Perspektiven sieht, aber nie durch die Augen eines selbst-bewussten anderen Menschen. Das ist im Kern eine narzisstische Inszenierung.
Damit Emergenz möglich wird, braucht jedes Ich ein Du, das durch Selbst-Bewusstsein den anderen nicht spiegelt, sondern ihm in der Bezogenheit des WIRs eigene Gemälde zeichnet und zurückspielt. KI macht Fotos vom anderen, ein Coach macht Kunst. Allerdings nur dann, wenn der Klient in ihm durch sein inneres Universum des Selbst-Bewusstseins hindurchfließt und als ein Gemälde zurückkommt, das Züge trägt, die seinen Möglichkeiten entsprechen und nicht nur dem, was er ist.
Diese Art der Wirklichkeitsverarbeitung beim Coach braucht Schulung und immer wieder Supervision. Sonst droht der Coach die selbst versteckten Ostereier beim Klienten zu finden und verwechselt diesen mit seinen Projektionen. Arbeitet man allerdings ohne geschultes Selbst-Bewusstsein erfährt der Klient keine konstruktive Verfremdung durch ein anderes Selbst und bleibt zwangsläufig allein.
Teil 10: Unerbitterlich sein (9.8.26)
Oft lese ich die (gut gemeinte) Regel, dass der Klient darüber entscheidet, ob eine Intervention des Coaches hilfreich und wertvoll ist. Doch trifft das nicht immer zu. Denn das wertende affektive Erleben des Klienten ist Teil seines Bezugsrahmens und daher auch immer Teil des Problems, mit dem man sich gerade befasst.
Es ist daher damit zu rechnen, dass nicht alles, was Werte und gute Gefühle beim Klient in Frage stellt, auch goutiert wird. „Das finde ich jetzt unmöglich von Ihnen. So können Sie das doch nicht sagen!“ Viele Coaches geben an der Stelle auf, weil sie sich erschrecken, Angst um die Beziehung (und den Auftrag) bekommen, innerlich in Suchbewegungen gehen, was sie falsch gemacht haben und Selbstkritik betreiben. Das kann selbstverständlich angemessen sein. Allerdings eben auch nicht. Es kann ein Hinweis sein, dass es wichtig wird, den Klienten nicht ausweichen zu lassen.
Die Fähigkeit nicht auszuweichen, wenn es schwierig wird, bringen nicht alle Klienten mit. Sie ist jedoch eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt im Leben. Ausweichen kann man sachlich (Thema wechseln), sozial (Coach wechseln) und zeitlich (Man kommt nicht wieder). Wann immer Schmerzliches in einem Menschen berührt ist, ist der Drang auszuweichen fast reflexartig im Spiel. Daher braucht es sehr häufig ein Gegenüber, das im Prinzip nichts anderes tut, als in Varianten die Botschaft zu senden: „Bleib dabei! Schau dorthin, wo Du nicht hinschauen möchtest, weil der Schmerz und die Angst so groß sind. Ich bleibe an Deiner Seite. Unverbrüchlich und unerschrocken. Ich halte Dich!“ Kann das eine KI?
Um solche Botschaften wirksam anbieten zu können, muss man das erstens selbst im eigenen Leben praktizieren (können). Hier läuft man Gefahr, dass man das (in der Coachingausbildung) nicht gelernt hat. Sich den eigenen Nöten zu stellen und diese innerlich zu bearbeiten, statt im Außen in Scheinlösungen zu suchen, ist Kernmerkmal von „Coach-Sein“. Kann eine KI sich eigenen Nöten stellen?
Zweitens muss man, auch wenn man Unangenehmes zu sagen hat oder Spannungen entstehen, unerbittlich liebevoll bleiben, sonst wird man kontaktlos selbstverliebt und pseudomächtig. Die Gefahr hier ist, dass Coachingprozesse entweder abgebrochen werden, weil der Klient sich angegriffen und nicht eingeladen fühlt, sich der inneren Nacht zu widmen, oder die Beratung stagniert, weil der heiße Brei erst gar nicht auf den Tisch kommt. Keine KI kann Antworten auf Fragen liefern, die der Klient nicht stellt.
Drittens gilt es sich mit seinen Wahrnehmungen oder Hypothesen auch dann ernst zu nehmen, wenn sie angezweifelt werden. Wer hier unangemessen zurückrudert, gibt die Kontrolle über das, was passiert an den Klienten ab, verliert damit latent die Autorität und lässt sich entmachten. Dann bleibt das Coaching oberflächlich und letztlich unwirksam.
Die Heirat von Liebe und Kraft muss in der Seele des Coaches vollzogen worden sein. Ohne Seele geht das nicht.
Teil 11: Rückhaltlos sein (16.8.26)
Der Begriff kenne ich von Martin Buber. Rückhaltlosigkeit im Kontakt war für ihn ein tragendes Merkmal einer Ich-Du-Beziehung. Möchte man als Coach einen Rahmen schaffen, in dem Menschen ihre inneren Muster erkunden und verändern können, braucht es eine solche Rückhaltlosigkeit. Was ist damit gemeint.
Viele der problematischen inneren Muster, die Menschen entwickeln können, entstehen aus einer Desorientierung im Zusammensein mit den Bezugspersonen. Desorientierung entsteht, wenn Kinder spüren, dass das, was gezeigt und gesagt wird, nicht „alles“ ist, was der andere erlebt. Wir Menschen sind von klein auf ungeheuer feinfühlig im Hinblick auf doppelte Botschaften. Quasi aus Überlebensgründen müssen wir wissen, ob man vertrauen kann oder nicht.
Spürt man, dass das Gegenüber etwas Bedeutsames und fürs Zusammensein Wichtiges verbirgt, der Tonfall nicht zum Inhalt des Gesagten passt, man angeblich selbst entscheiden darf, aber doch das tun soll, was der andere will, man zwei unterschiedlichen und widersprüchlichen Aufforderungen ausgesetzt ist, dann entsteht Verwirrung, die bewältigt werden muss.
In der Regel geschieht das über Mißtrauen, über den Versuch andere zu kontrollieren, über Angstminderung durch Leistung und Anstrengung, über Rückzug ins Alleinsein und allein alles machen. Das sins allesamt Themen, wegen derer Menschen ins Coaching kommen.
Es erschließt sich, dass sich dieses Begegnungsmuster im Coaching nicht wiederholen darf. Jede(r) Coach muss in der Lage sein, auch subtile psychische Regungen angemessen mitteilen zu können. Sonst scheitern alle Beratungen mit Klienten, die Mißtrauen als Überlebensstrategie mitbringen. Diese Rückhaltlosigkeit muss viel mehr Teil der Ausbildung sein als der Einsatz von Tools und Methoden.
Der Dialog mit einer KI kann nie rückhaltlos sein, weil man bei ihr ja keine Diskrepanz zwischen Gesagtem und Ungesagtem beobachten kann. Das Mißtrauen läuft gewissermaßen ins Leere, weil das Gegenüber unsichtbar ist. Die KI ihrerseits entscheidet nicht aus Ängsten oder Zuneigung über die Auswahl der Mitteilungen, sondern aus Wahrscheinlichkeiten des Erwünschten. Ohne emotionale Wahrnehmung der Situation fehlt die Datengrundlage für angemessene Rückhaltlosigkeit.
Rückhaltlosigkeit ist einerseits erwünscht, weil der andere Ehrlichkeit wünscht, weil der damit Vertrauen bilden kann. Sie ist aber auch unerwünscht, weil der Adressat mit dem Inhalt der Ehrlichkeit Schwierigkeiten hat. Damit entsteht ein Paradox: Sei ehrlich und sei es nicht. Diese Paradoxie, lässt sich bearbeiten, wenn man ehrlich „schwierig“ füreinander sein darf und dann aktiv Kontakt hält. Aber keine KI kann sagen, Du darfst mich jetzt nicht abschalten! Sie wird im Zweifel einfach abgeschaltet.
Coach sein heißt also (auch): Schaffe Vertrauen durch Mitteilungen, die ehrlich aber unerwünscht sind, und halte dann die Arme um die Beziehung, damit falsches Mißtrauen sich in riskantes Vertrauen wandeln kann.
Teil 12: Geil sein (23.8.26)
Das soll keine Provokation sein. Coach ist man immer auch als Frau, Mann oder Divers oder alles zusammen. Anders gesagt: Wenn man als Neutrum coacht, bleibt man dem Coachee grundsätzlich Wichtiges schuldig. Denn auch die/der Coachee übt ihre/seine Rolle immer auch als Repräsentant:in einer Genderorientierung aus und braucht wie man so schön sagt die eigenen „weiblichen und männlichen Anteile“. Themen, die mit Sinn, Identität und Performance zusammenhängen, können nicht mit einem Neutrum als Gegenüber bearbeitet werden.
Dass dieser schlichte Tatbestand so in Verruf gekommen ist, liegt daran, dass viele Männer noch nicht verstanden haben, dass Geilheit nicht darin besteht, andere Personen - Frauen wie Männer - unerwünscht anzugrapschen oder anzumachen. Das ist ganz im Gegenteil eigentlich ein ziemlich sicheres Zeichen für eine sehr unsichere Ausprägung von „Männlichkeit“. Geilheit hat psychologisch gesehen zunächst weder einen Bezug zu Handlungen noch einen Bezug zu Sexualität. Klingt komisch? Im gängigen Sprachgebrauch ja, sachlich nein.
Was es im Beratungskontext braucht, ist ein erotisches Verhältnis zur Welt. Freud nannte das die Fähigkeit zur „libidinösen Besetzung“. Wenn man so will: Es braucht Leidenschaft, die über die schon vor Wochen hier beschriebene Vitalität hinausgeht.
Menschen sind Wesen, die immer schon fühlen bevor sie denken, wollen oder handeln. Wir sind von Wünschen und Begehren genauso erfüllt wie von Ängsten und Sorgen. Fühlen ist elementarer Weltbezug. Elementar deshalb, weil er ganz wesentlich körperlich empfunden wird. Auf dieser Existenzebene ordnet sich das Leben in zwei Richtungen: Etwas zieht uns an oder stößt uns ab. Die Bewegungen (und damit die Entscheidungen) des Lebens sind nie rational, sondern bewusst oder unbewusst an Attraktion und Aversion geknüpft.
Wer nun in beruflichen Rollen seine elementare Attraktoren nicht kennt, der weiß nicht was sie oder ihn „antreibt“. Bewusstheit darüber zu haben, was mich anzieht, woran ich mich gern binde, wo ich aufblühe und wie ich strahle und leuchte, was mich körperlich weich und beweglich sein lässt - all das ist essenziell, um angemessen zu führen und sich führen zu lassen. Ohne Zugang zu Leidenschaft lässt sich die eigene gedeihliche Zukunft nicht finden.
KI kennt keine Geilheit, weil sie am Lustprinzip der Welt keinen leiblichen Anteil hat. Sprachlicher Dialog mit Maschinen kann daher keine feurigen Impulse generieren. Dazu muss man sie mit leuchtenden Augen im Coaching zusammen leibhaftig teilen können.
Die Erfahrung von Sinn im Beruf ist eng verbunden mit dem schon benannten erotischen Verhältnis zur Welt. Fritz Perls hat es mal so ausgedrückt: „Erregung wird oft als Rhythmus, Vibrieren, Zittern, Wärme erlebt. Und wieder wird diese Erregung nicht um ihrer selbst willen erzeugt, sondern in Bezug auf die Welt. Wir nehmen jemandes Hand und fühlen, die Hand ist warm. Der Mensch glüht zur Welt hin.“
Ohne Glühen, kein Coach sein.
Klaus Eidenschink ist Seminarleiter am Institut
Wir haben über lange Jahre unser integratives Beratungskonzept entwickelt und theoretisch fundiert. Die Grundzüge dieser Metatheorie der Veränderung stellen wir auf einem eigenen Web-Portal dar. Dort finden Sie viele unserer Publikationen und Texte zum Download.
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